Im Vordergrund rechts die Eingangstür zur Kirche. Bunte Bodenfliesen, Verzierungen am Bogen. Helle Fenster, im Altarraum hellgrauer Steinboden. © Sandra Hirschke / fundus.media

Asyl in der Kirche

Tag des Kirchenasyls am 30. August

Erinnern an die christliche Verpflichtung hinzusehen und etwas entgegenzusetzen

Am 30. August 1983 starb in Berlin der 23-jährige politische Flüchtling Cemal Kemal Altun. Aus Angst vor der Abschiebung und vor drohender Folter in der damaligen Militärdiktatur in der Türkei stürzte er sich während seiner Verhandlung aus dem Fenster des Gerichtssaals.

Altuns Tod gab den Anstoß für die ersten Kirchenasyle: Kirchengemeinden wollten nicht mehr hinnehmen, dass Menschen aus Furcht um ihr Leben keinen anderen Ausweg mehr sehen, als sich dieses zu nehmen. Seit 2019 begehen wir am 30. August den Tag des Kirchenasyls. Damit gedenken wir Cemal Kemal Altun und erinnern an die christliche Verpflichtung, genau hinzusehen und etwas entgegenzusetzen, wenn Menschenrecht und Würde Anderer bedroht sind.

Durch das Inkrafttreten des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) im Juni 2026 hat sich die Situation für Geflüchtete verschärft: die Einschränkung bzw. Abschaffung fairer und effektiver Asylverfahren, das Aufweichen des menschenrechtlich absoluten Zurückweisungsverbotes und den Abbau rechtsstaatlicher Garantien und des Rechtsschutzes für Schutzsuchende. Statt Flüchtlingsschutz geht es darum, Schutzsuchende vom Territorium der EU fernzuhalten und denjenigen, die es dennoch erreichen, das Leben so schwer wie möglich zu machen.

Engagierte aus der Kirchenasylbewegung aus ganz Deutschland beobachten mit großer Sorge, dass die Entscheidungs- und Abschiebepraxis sich nur noch dem politischen Willen von Regierungen, nicht aber den menschenrechtlichen Vorgaben unterordnet. Kirchen, die Schutz gewähren, werden in Politik und Presse diffamiert. Das darf nicht sein!

Wir haben eine Verantwortung gegenüber Menschen, die Schutz vor Verfolgung, Krieg, Entrechtung oder Gewalt benötigen. In den besonderen Härtefällen, auf die wir mit einem Kirchenasyl aufmerksam machen, fordern wir auch von staatlicher Seite ein Bemühen um gute humanitäre Lösungen.

Fürbitten zum Tag des Kirchenasyls 2026

In diesem Jahr fällt der Tag des Kirchenasyls auf einen Sonntag. Anlässlich dessen hat die Ökumenische Bundesarbeitsgemeintschaft Asyl in der Kirche Informationen und Fürbitten zusammengestellt, die in Gottesdiensten und Veranstaltungen genutzt werden können.

Fürbitten zum Tag des Kirchenasyls zum Download


Kirchenasyl - aus christlicher Überzeugung

Aus christlicher Überzeugung gewähren Gemeinden Kirchenasyl. Sie bieten Geflüchteten, deren Abschiebung unmittelbar bevorsteht und unzumutbar erscheint, Schutz und Hilfe.

Ja zum Kirchenasyl

Für verfolgte und gefährdete Menschen einzutreten und da zu sein, gehört zu den elementaren Aufgaben der Kirche und Christenheit. In dieser Tradition stehen Kirchengemeinden, die sich für Menschen einsetzen, deren Würde durch ihre Abschiebung in unmenschliche Lebensumstände angetastet wird und denen eine Verletzung ihrer Menschenrechte droht.

„Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen“
Matthäus 25,35b

Gemeinden, die sich für ein Kirchenasyl entscheiden, nehmen solche Menschen vorübergehend auf, gewähren ihnen Schutz und Gastfreundschaft und setzen sich dafür ein, dass ihr „Fall“ und alle in Betracht zu ziehenden rechtlichen, sozialen und humanitären Gesichtspunkte, die gegen eine Abschiebung sprechen könnten, sorgfältig geprüft werden und sie gegebenenfalls in Deutschland ein Asylverfahren durchlaufen können.
 

Asyl erhalten ist ein Menschenrecht

Die Möglichkeit, Asyl zu erhalten, gilt als ältestes Menschenrecht überhaupt und hat seine religiösen Wurzeln im Tempelasyl. Wichtiger noch als diese Tradition im alten Orient ist für die heutige Begründung von Kirchenasyl das alttestamentliche Fremdenrecht. Es gibt nur wenige Themen, die die gesamte Bibel so konsequent durchziehen und ein so großes theologisches Gewicht haben wie der Umgang mit dem Fremden. „Einen Fremden sollst du nicht bedrücken. Ihr wisst doch, wie es einem Fremden zumute ist, denn ihr selbst seid in Ägypten Fremde gewesen“ (2. Mose 23,9). Kein Gebot wird in der Bibel öfter wiederholt und eingeschärft als dieser unbedingte Appell Gottes.
 

Kirchenasylfälle sind Härtefälle

Gemeinden, die Kirchenasyl gewähren, stellen damit den Rechtsstaat nicht infrage. Sie leisten vielmehr einen Akt der Nothilfe und des Beistands bei der Durchsetzung eines Menschenrechts. Dabei hat bisher in den uns bekannten Fällen noch keine Kirchengemeinde leichtfertig und unbedacht gehandelt. Im Gegenteil: Kirchengemeinden prüfen den Einzelfall sehr sorgfältig und besprechen sich mit Fachleuten und Verantwortlichen in Kirche und Diakonie. Sie überlegen gut und lange, bevor sie entscheiden, ein Kirchenasyl zu gewähren. Dabei geht es immer um den konkreten Einzelfall, eine schwangere Frau, diesen verletzten Mann, eine verzweifelte Familie mit Kindern.


Engagement von Kirchengemeinden

Wenn Kirchengemeinden ihre Türen für Menschen öffnen, die von Abschiebung bedroht sind, können Geflüchtete zur Ruhe und Besinnung kommen. Im besonderen Schutzraum eines Kirchenasyls erleben und erfahren oft nicht nur die Schutzsuchenden, sondern auch die Gemeinden den Segen der Gastfreundschaft als etwas Heilsames. Dennoch gibt es einiges zu beachten, wenn eine Kirchengemeinde Kirchenasyl gewährt. Flüchtlinge im Kirchenasyl haben keinen juristisch gesicherten Status. Verlassen sie die kirchlichen Gebäude, steht ihnen kein Schutz zu. Darum benötigt diese Aufgabe auch die Unterstützung von Ehrenamtlichen.


Unterstützung für Kirchengemeinden

Kirchenasyl ist ein letzter legitimer Versuch (ultima ratio) einer Gemeinde, Flüchtlingen durch zeitlich befristeten Schutz beizustehen, um auf eine erneute, sorgfältige Überprüfung ihres Schutzbegehrens hinzuwirken. Ein bevorstehendes Kirchenasyl muss der Kirchenleitung angezeigt werden. Dies ist notwendig, damit die Kirchenleitung die Kirchenasyl gewährende Kirchengemeinde rechtlich unterstützen kann. Unterstützung bieten auch die Flüchtlings- und Migrationsberatungsstellen der Diakonie Hessen sowie die Pfarrstellen für Flüchtlingsarbeit in der EKHN. Kontakte und Beratung vermittelt die Clearingstelle Kirchenasyl.

Ansprechpersonen Kirchenasyl


Evangelische Kirche in Hessen und Nassau

Pfarrer Georg Bloch-Jessen
Leiter des Ressorts Flucht, interkulturelle Arbeit, Migration (FiAM) der Diakonie Hessen und
Interkultureller Beauftragter der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau
Tel.: 069 7947-6226
georg.bloch-jessen(at)diakonie-hessen.de

Maria Bethke
Diakonie Hessen
Solmsstraße 2-22, Haus 18
60486 Frankfurt am Main
Tel.: 069 7947-6270
kirchenasyl(at)diakonie-hessen.de


Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck

Karin Diehl
EKKW/Diakonie Hessen
Kölnische Straße 136
34119 Kassel
Tel.: 0561-10953100
kirchenasyl(at)diakonie-hessen.de

Oliver Teufel
Beauftragter für Flucht und Migration der EKKW
Tel.: 0561-1095-3415 
Mobil: 0160-91373931
oliver.teufel(at)diakonie-hessen.de
 

mAqom – Kirche und Zuflucht e.V.
c/o Kirchengemeinde Großen-Linden
Pfarrperson Johannes Krug
Frankfurter-Straße 42
35440 Linden
info(a)maqom.de

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Ökumenische Bundesarbeitsgemeinschaft Asyl in der Kirche
Tel.: 030-25 89 88 91
info(at)kirchenasyl.de

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Weitere Ansprechpartner*innen in den einzelnen Bundesländern

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Materialien zum Kirchenasyl

Handreichung zum Kirchenasyl

Die Handreichung zum Kirchenasyl der Ökumenischen Bundesarbeitsgemeinschaft Asyl in der Kirche möchte Gemeinden und Gemeinschaften ermutigen, das Thema Kirchenasyl zu durchdenken. Sie beantwortet wichtige Fragen rund um das Kirchenasyl und bietet praktische Hilfestellung. Dabei hat jedes Kirchenasyl seinen eigenen Verlauf und seine lokalen Besonderheiten. Die hier gegebenen Hinweise sind nicht als starres Regelwerk zu verstehen, sondern spiegeln zahlreiche Praxiserfahrungen wider.

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Aus gutem Grund: Kirchenasyle in der EKHN

Aus gutem Grund gewähren christliche Gemeinden Kirchenasyl. Diese Broschüre gewährt exemplarisch Einblick in neun Kirchenasyle im Zeitraum 2014/2015. In den ausführlichen Reportagen und Interviews mit Flüchtlingen, Unterstützerinnen und Unterstützern, Pfarrerinnen und Pfarrern werden die Fluchtgeschichten vorgestellt, die einem Kirchenasyl vorangegangen sind und welche Gedanken, Fragen und Herausforderungen mit der Durchführung eines Kirchenasyls verbunden sind. 

Broschüre herunterladen

Broschüre: Kirchenasyl in der EKHN und EKKW

Was ist Kirchenasyl und was wird von einer Kirchengemeinde, die Kirchenasyl gewährt, erwartet? Neben einer umfangreichen Checkliste zum Kirchenasyl enthält die Broschüre praktische Hinweise zur Durchführung: Ob Beratung, Unterbringung, materielle Ressourcen, Krankenbehandlung, Kinderbetreuung, Rechtliche Begleitung etc. Auch die Auswirkungen eines Kirchenasyls auf das Gemeindeleben während und nach einem gewährten Kirchenasyl müssen bedacht werden.

Zum Download


Videos zum Kirchenasyl

Sara und Filimon erzählen von ihren Erfahrungen im Kirchenasyl

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Abdul Kader Alomar aus Syrien berichtet von seinen Erfahrungen

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Heran ist im Kirchenasyl der Gemeinde Friedberg-Fauerbach

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Infoblatt Kirchenasyl in der EKHN

Warum ist das Kirchenasyl notwendig? Wieviele Kirchenasyle gibt es in der EKHN? Wie stehen Kirchenleitungen zum Kirchenasyl? Was müssen Gemeinden beachten, die Kirchenasyl gewähren? Informationen und Fakten zum Kirchenasyl bietet ein Factsheet.

Zum Infoblatt

Beiträge aus der Synode 2024

„Flucht und Schutz. Migrationsbedingungen in Europa aus kirchlicher Sicht“
Pfarrerin Anja Harzke, Ausschuss für Gesellschaftliche Verantwortung der EKHN-Synode
Beitrag zum Download

Kirchenasyl praktisch
Pfarrerin Sigrid Düringer
Beitrag zum Download

Kirchenasyle gemeinsam tragen, Zufluchtsräume neu entdecken
Dekan André Witte-Karp, Ev. Dekanat Gießen
Beitrag zum Download

Ziviler Menschenrechtsgehorsam
Pfarrer Andreas Lipsch, Interkultureller Beauftragter der EKHN und Leiter der Abteilung Flucht, interkulturelle Arbeit, Migration (FiAM) der Diakonie Hessen
Beitrag zum Download