Sie laden dazu ein, insbesondere am 21. Juni 2026 Gottesdienste, Gebete und Mahnwachen zu veranstalten. Das Gedenken soll den Menschen gewidmet sein, die an den östlichen Grenzen Europas, auf der Route zu den Kanarischen Inseln, im Ärmelkanal, im Mittelmeer oder auf anderen Fluchtwegen ums Leben gekommen sind. In vielen Kirchen Europas haben solche Gedenkveranstaltungen bereits einen festen Platz im Jahreskalender.
„Die Zeit nach Ostern steht für Hoffnung und neues Leben. Umso schmerzlicher ist es, dass weiterhin Tausende Menschen auf der Suche nach Schutz und Sicherheit Leid, Hoffnungslosigkeit und Tod erfahren“, heißt es im Aufruf.
Der Aufruf erfolgt wenige Wochen vor der offiziellen Umsetzung des neuen Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS). Große Sorge besteht, dass politische Maßnahmen zur weiteren Abschottung Europas den Zugang zu sicheren und legalen Fluchtwegen erschweren. Dies zwinge noch mehr Schutzsuchende dazu, lebensgefährliche Routen zu wählen.
Zugleich kritisieren die Konferenz Europäischer Kirchen (Conference of European Churches: CEC) und die Kommission der Kirchen für Migranten in Europa (The Churches' Commission for Migrants in Europe: CCME) die zunehmende Kriminalisierung humanitärer Hilfe und Seenotrettungsmaßnahmen. Davon betroffen seien nicht nur Nichtregierungsorganisationen, sondern auch Kirchen sowie Migrantinnen und Migranten selbst.
Zur Unterstützung der Gemeinden werden umfangreiche Materialien zur Verfügung gestellt, darunter liturgische Texte, Gebete, Meditationen und Hintergrundinformationen für Gottesdienste und Informationsveranstaltungen.
Das 142-seitige Materialheft ist auf Englisch verfasst, enthält jedoch auch Inhalte in vier weiteren Sprachen. Die Sammlung wurde Ende 2024 umfassend überarbeitet und aktualisiert und kann kostenlos heruntergeladen und verwendet werden, sofern die Quellen genannt werden.
„Als Kirchen, kirchliche Organisationen und Christinnen und Christen sind wir in dieser entscheidenden Zeit dazu berufen, Zeuginnen und Zeugen der Auferstehung zu sein und uns für neues Leben in Gerechtigkeit und Frieden für alle Menschen einzusetzen – unabhängig von Herkunft, Nationalität oder Religion“, heißt es im Aufruf. „Wir wissen uns verbunden mit einer weltweiten Gemeinschaft von Christinnen und Christen, die gemeinsam der verletzlichen und betroffenen Menschen in ihren jeweiligen Regionen gedenken und über die Ursachen ihrer Flucht nachdenken.“
Die Konferenz Europäischer Kirchen und die Kommission der Kirchen für Migranten in Europa rufen dazu auf, sowohl der dokumentierten als auch der namenlosen Opfer an Europas Grenzen zu gedenken und die gemeinsame Trauer im Gebet zu teilen. Gemeinden und Organisationen werden gebeten, Informationen über ihre Aktivitäten sowie eigene Materialien an info(at)ccme.be zu senden.
"Wir wollen Gemeinden und christliche Organisationen ermutigen, ein sichtbares Zeichen der Solidarität und des Erinnerns zu setzen.”
Zum Aufruf
FACTSHEET:
• Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) verloren allein im Jahr 2025 rund 2.200 Menschen im Mittelmeer und an dessen Grenzen ihr Leben.¹ Die Todesfälle im Mittelmeerraum dauern an, und wenig bekannte Notfallorte wie die Grenze zwischen Belarus und der EU oder der Ärmelkanal erhielten im vergangenen Jahr verstärkte Aufmerksamkeit, da dort die Zahl der Todesfälle anstieg. Regionen außerhalb Europas, wie die Sahelzone, bleiben für viele Menschen auf dem Weg nach Europa lebensgefährlich. Weltweit berichtet die IOM, dass im Jahr 2025 mindestens 7.904 Menschen auf Migrationsrouten ums Leben kamen.²
• Seit 2014 sollen laut IOM und anderen Quellen mehr als 34.000 Menschen auf ihrem Weg nach Europa gestorben sein – durch Ertrinken im Meer oder in Flüssen oder durch Ersticken in Containern auf Lastwagen oder Schiffen. Das Schicksal derjenigen, die sich weiterhin in internationalen Gewässern oder in den Gewässern nordafrikanischer Staaten befinden, bleibt oft ungeklärt. Ihre Zahl steigt, da EU-Mitgliedstaaten Boote in diese nordafrikanischen Gewässer zurückschicken.
• Wie in den Vorjahren gab es auch 2025 keine systematischen staatlichen Aktivitäten zur Seenotrettung. Die anhaltende Kriminalisierung von zivilgesellschaftlichen Akteuren in der Seenotrettung oder bei der Hilfe an Landgrenzen sowie der Geretteten selbst wurde in jüngsten Studien dokumentiert³ und bleibt für die Kirchen ein großes Anliegen.
• Kirchen in Europa reagieren auf den anhaltenden Verlust von Menschenleben an und innerhalb der europäischen Grenzen, indem sie praktische Solidarität leisten und sich zugleich für sichere und legale Wege nach Europa für Flüchtlinge und Migrant*innen einsetzen. Kirchen in mehreren Ländern haben konkret angeboten, aus Seenot gerettete oder umgesiedelte Menschen aufzunehmen, um politische Blockaden zu überwinden und Ausschiffungen zu ermöglichen.⁴ Kirchen an verschiedenen Orten unterstützen oder initiieren Such- und Rettungsmaßnahmen. Kirchliche Entwicklungs- und Hilfsorganisationen arbeiten daran, die Folgen der anhaltenden Krise abzumildern. Kirchen gehören zudem zu den Akteuren, die umfangreiche zivilgesellschaftliche Hilfe für Menschen organisiert haben, die innerhalb der Ukraine oder aus der Ukraine fliehen mussten.
• CCME hat gemeinsam mit Partnern bereits vor einem Jahrzehnt das Projekt „Safe Passage“ gestartet. Dadurch wurde ein Austausch zwischen Kirchen über sichere Zugangswege ermöglicht. Immer mehr Kirchen in Europa engagieren sich in Projekten zur Förderung sicherer Aufnahmewege für Flüchtlinge – etwa durch Resettlement-Programme, humanitäre Visa, humanitäre Korridore und andere Zugangswege.
CCME hatte gemeinsam mit anderen Organisationen Anfang 2026 dazu aufgerufen, „die EU-Mitgliedstaaten zu drängen, ihre aktuellen Zusagen zu erfüllen und darüber hinauszugehen“.⁵ Dies bezog sich auf die Neuansiedlung von Flüchtlingen (Resettlement).
Die Zahl der zugesagten Plätze für 2026 und darüber hinaus bleibt jedoch äußerst enttäuschend. Für den Zweijahreszeitraum 2026–2027 wurden von den EU-Mitgliedstaaten lediglich 10.430 Plätze für Resettlement und humanitäre Aufnahme zugesagt⁶ – zu einem Zeitpunkt, an dem das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR den weltweiten Bedarf an Resettlement-Plätzen auf 2,5 Millionen schätzt.⁷
• Die Generalversammlung der CEC, die im Juli 2013 in Budapest stattfand, erneuerte den Aufruf an die Kirchen, „derjenigen zu gedenken, die auf ihrer Reise auf der Suche nach einem würdevollen Leben in Europa gestorben sind – durch einen jährlichen Gebetstag.“ In den vergangenen Jahren haben viele Kirchen und Gemeinden in ganz Europa diesen Aufruf aufgegriffen und rund um den 20. Juni, den Weltflüchtlingstag, Gedenkgottesdienste, Gebete oder Mahnwachen veranstaltet.
1 https://missingmigrants.iom.int/region/mediterranean
2 https:/ https://missingmigrants.iom.int/data
3 https://picum.org/wp-content/uploads/2026/04/Criminalisation-of-solidarity-with-migrants-in-the-
EU_2025.pdf and https://searchandrescue.msf.org/news/the-obstruction-of-search-and-rescue-vessels-causeshundreds-of-deaths-at-sea.html
4 See the article of Ansgar Gilster in CCME/WCC: Mapping migration 4th edition, p. 109 ff at:
www.oikoumene.org/resources/publications/mapping-migration-4th-edition
5 http://ccme.eu/storage/app/media/uploads/2026%20documents/Union%20Plan%20Statement_Jan%20202
6%20final.pdf
6 https://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/TXT/PDF/?uri=OJ:L_202502628
7 https://www.unhcr.org/publications/2026-projected-global-resettlement-needs-pgrn