Im Namen der Solidarität... Europas neuer Migrationspakt

veröffentlicht 08.06.2026, Menschen wie wir

„Was am 12. Juni in Kraft tritt, wird im Namen der Solidarität verteidigt. Wir sollten das Wort nicht durchgehen lassen. Es heißt offiziell ‚Gemeinsames Europäisches Asylsystem‘ (GEAS). Gemeint ist die Lastenteilung unter Staaten: Wer an der Außengrenze liegt, soll nicht allein tragen, was alle fernhalten wollen. Soll das jetzt wirklich ‚Solidarität‘ heißen?“ Ein Statement von Andreas Lipsch, Leiter der Abteilung Flucht, Interkulturelle Arbeit, Migration der Diakonie Hessen.

„Der Unterschied ist nicht semantisch. Solidarität im politisch-theologischen Sinn meint eine Bindung, die nicht aus gemeinsamen Interessen entsteht, sondern aus geteilter Verletzbarkeit. Was der Pakt organisiert, ist das Gegenteil: ein System, das die Verletzbarkeit der einen verwaltet, um die Unantastbarkeit der eigenen Ordnung zu sichern. Roberto Esposito nennt das Immunisierung.

Wirkliche Solidarität würde nicht fragen, wie man Grenzen um ein kleines Wir zieht, sondern das Wir selbst weiten, um der Verletzbarkeit aller gerecht zu werden. Das Entgrenzen der Solidarität war einmal das eigentliche Herz Europas: das Versprechen, Grenzen abzurüsten statt sie zu befestigen. GEAS ist sein Widerruf. 

Dass es anders ginge, ist keine neue Einsicht. Eine Erklärung zahlreicher zivilgesellschaftlicher Organisationen aus dem Jahr 2021 hieß: Solidarität entgrenzen: #offengeht. Der Satz ist nicht veraltet. Er ist bisher nur unerhört geblieben.“

Weitere Informationen: Solidarität entgrenzen: #offengeht