Nach Schätzungen der Vereinten Nationen sind etwa 50 Prozent der weltweit ca. 120 Millionen Menschen in einer aktuellen Fluchtsituation Frauen. Die Ursachen für Flucht und Migration sind vielfältig. Manche sind ausschließlich geschlechtsspezifisch, bei vielen spielt das Geschlecht mindestens eine wichtige Rolle. Im Ergebnis aber sind Frauen und Männer quantitativ ähnlich häufig dazu gezwungen, ihre Heimat aufzugeben und zu fliehen.
Demgegenüber aber waren unter den erwachsenen Geflüchteten, die im Jahr 2025 in Deutschland erstmals einen Asylantrag gestellt haben, nur etwas mehr als ein Drittel Frauen. Dieses Ungleichgewicht ist keine Episode, sondern schon seit vielen Jahren zu konstatieren. Und es hat Gründe:
Weil es kaum sichere und legale Fluchtwege nach Europa und nach Deutschland gibt, bleiben Frauen überdurchschnittlich häufig mit Kindern in der Konfliktregion oder in unmittelbarer Nähe zur Konfliktregion zurück. Wenn sie sich doch auf die gefahr- und gewaltvollen Routen begeben, auf die Flüchtlinge wegen der Abschottung Europas gezwungen werden, sind sie besonderen Risiken wie z.B. geschlechtsspezifischer Gewalt ausgesetzt.
Zum Weltfrauentag machen wir auf diese Ungleichheit aufmerksam und fordern die Öffnung und Weitung von sicheren und legalen Flucht- und Zugangswegen nach Europa, Deutschland und Rheinland-Pfalz. Weil das derzeit nicht gegeben ist, fordern wir als „Sofortmaßnahmen“:
- Die derzeit praktizierte Verhinderung des Familiennachzugs zu Menschen, die in Deutschland Schutz gefunden haben, muss ein Ende haben. Nicht nur, weil das Leben in der Familieneinheit ein Menschenrecht und eine wesentliche Voraussetzung für das Einfinden in der neuen Heimat ist. Sondern auch, weil die in einer Kriegs- oder Krisenregion zurückgebliebenen Frauen - und ihre Kinder - andernfalls doch noch dazu gezwungen sind, in Lebensgefahr auszuharren oder sich schließlich doch auf lebensgefährliche Fluchtrouten zu begeben.
- Geflüchtete Frauen, die es trotz aller damit verbundener Gefahren nach Deutschland und nach Rheinland-Pfalz geschafft haben und hier Schutz suchen, sind oft traumatisiert, weil sie auf der Flucht geschlechtsspezifischer Gewalt ausgesetzt oder Menschenhandel zum Opfer gefallen sind. Als besonders vulnerablen Personen darf es ihnen nicht zugemutet werden, über Wochen und Monate in strukturell gewaltvollen Erstaufnahmeeinrichtungen ausharren zu müssen. Vielmehr sind sie unmittelbar nach der Einreise auf Kommunen zu verteilen, dort dezentral und angemessen unterzubringen und psycho-sozial zu versorgen und zu begleiten.
gez.:
• Torsten Jäger, Initiativausschuss für Migrationspolitik in Rheinland-Pfalz
• Dr. Natalie Lochmann, Flüchtlingsrat RLP e.V.