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Brexit

Kirchenpräsident: „Trotz Brexit Gemeinschaftssinn neu beleben“

Andrew Linscott/istockphoto.comBrexit

Mit großer Enttäüschung hat der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung den Austritt der Briten aus der EU zur Kenntnis genommen. Er sieht nun auch die Kirchen in der Pflicht, den europäischen Gedanken weiter am Leben zu erhalten.

EKHN/Peter BongardKirchenpräsident Volker JungKirchenpräsident Volker Jung

Darmstadt, 24. Juni 2016. Der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Dr. Volker Jung, hat die Entscheidung der Briten bedauert, aus der EU auszutreten. Gleichzeitig sieht er aber die Notwendigkeit, sich dennoch weiter „für eine Stärkung des europäischen Gemeinschaftssinns“ einzusetzen. Am Donnerstag (23. Juni) hatte die britische Bevölkerung bei einem Volksentscheid gegen den Verbleib in der EU  gestimmt.

Vertrauen in Europa nicht verlieren

Angesichts der Wirtschafts- und Finanzkrise sowie der Flüchtlingspolitik sei offenbar das „Vertrauen in ein Europa verlorengegangen, das für ein Leben in Frieden und Freiheit, mit offenen Grenzen, Wahrung der Menschenrechte, Chancengleichheit und Solidarität steht“. so Jung. Das Abstimmungsergebnis lege den Schluss nahe, dass „die gemeinsamen europäischen Werte nicht überzeugend dargestellt wurden“. Bei einer auf „wirtschaftliche  Vorteile und den ‚besten Deal‘ verengten Diskussion ist die einzigartige Bedeutung des Friedens- und Solidaritätsprojektes Europa zu sehr aus dem Blick geraten“, erklärte er. „Durch das Abstimmungsergebnis der britischen Bevölkerung wurde uns deutlich vor Augen geführt, dass der Gemeinschaftssinn und der Integrationsgedanke innerhalb der EU wiederbelebt werden müssen“, kommentierte der Kirchenpräsident die Entscheidung. Eine konstruktive Zusammenarbeit sei auch bei den nun anstehenden Austrittsverhandlungen zwischen Europäischer Union und Vereinigtem Königreich weiter nötig.

Bestehende Verbindungen stärken

Nach Ansicht Jungs sind nun auch die Kirchen in Europa gefordert. Viele lebten den europäischen Gedanken bereits heute schon „Kraft des gemeinsamen Glaubens auf vielfältige Weise“. Über Ländergrenzen hinweg gebe es soziale Initiativen in kirchlicher Trägerschaft, ökumenische Partnerschaften, Gemeindeaustauschprojekte, die es -  ähnlich der Idee der Partnerstädte -, ermöglichten, dass Menschen sich gegenseitig kennen- und verstehen lernten. Diese Verbindungen gelte es weiter auszubauen. Dem Wunsch des ehemaligen Kommissionspräsidenten Jaques Delors entsprechend leisteten die Kirchen damit einen Beitrag, „dass das europäische Integrationsprojekt neben der technischen und wirtschaftlichen Seite auch eine Seele erhält“, sagte Jung.

Einheit in Vielfalt ist eine Möglichkeit

Die Kirchen seien auch weiterhin bereit, ihre länderübergreifenden Netzwerke und ihre Erfahrungen im Sinne der Gemeinschaftsstiftung einzubringen. „Aus der Zusammenarbeit in der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) und der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) sind uns Spannungen bekannt, die mit Vielfalt einhergehen können. Aus eigener Erfahrung wissen wir aber auch, dass Einheit in Vielfalt gelingen kann, wenn die Gemeinsamkeiten im Mittelpunkt stehen und Raum für Unterschiede gelassen wird“, so Jung.

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