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Beratung für Frauen aus aller Welt

Frauenrecht ist Menschenrecht – der Name ist Programm

Motortion Films/shutterstock

FIM e.V. ist ein interkulturelles Beratungszentrum für Migrantinnen und ihre Familien in Frankfurt am Main. Frauen in schwierigen Lebenslagen finden bei FIM Rat und Unterstützung. Vertraulich, kostenlos und in mehr als 15 Sprachen. FIM stärkt Frauen in der Wahrnehmung ihrer Rechte und engagiert sich für Bildung, Empowerment und Teilhabe: kultursensibel, ressourcenorientiert und niedrigschwellig. Auch auf politischer Ebene setzt sich FIM für die Belange von Frauen ein.

Die Websites von sozialen Einrichtungen und Vereinen, die mit knappen Mitteln haushalten müssen, sind oft auf das Nötigste beschränkt, Vorstandsnamen, Adressen, paar Stichworte zum Angebote. Nicht so bei „FIM-Frauenrecht ist Menschenrecht“. Flyer in den Sprachen Amharisch, Arabisch, Bulgarisch, Deutsch, Englisch, Farsi/Dari, Französisch, Rumänisch, Spanisch, Somali, Thai, Tigrinya beschreiben die Angebote. Telefonnummern, auch Handynummern sind hier zu finden, beispielsweise für „Frauen in der Prostitution“. Zum Thema Weibliche Genitalbeschneidung etwa gibt es auf der Homepage umfangreiche Hintergründe, Fakten, rechtliche Hinweise und Informationen zu Hilfen.

Interkulturelles Beratungszentrum

FIM, 1980 von ehrenamtlich tätigen Frankfurterinnen unter dem Namen „Ökumenische Thailandgruppe“ gegründet und 2001 in „Frauenrecht ist Menschenrecht“ umbenannt, hat sich über die Jahre zu einem interkulturellen Beratungszentrum entwickelt, das weit über die individuelle Einzelfallhilfe wirkt: Die Erfahrungen aus der Arbeit mit den Klientinnen wird in fachliche Netzwerke eingebracht, FIM bietet Fortbildungen für Fachkräfte relevanter Berufsgruppen an, FIM arbeitet präventiv und setzt sich nicht zuletzt dafür ein, dass die Anliegen der Klientinnen auch in Öffentlichkeit und Politik wahrgenommen werden.

Weiterhin sind kirchlich Engagierte, etwa die mit der Philipp-Jakob-Spener Medaille der Evangelischen Kirche in Frankfurt ausgezeichnete Brigitte Gößling, im Vorstand vertreten, aber auch andere ohne kirchlichen Hintergrund wirken ehrenamtlich mit, setzen sich für Frauen aus aller Welt ein, die mit Bedrohungen unterschiedlicher Art Erfahrungen gemacht haben.

Kultursensibel und wertfrei

„Komplex“ ist ein Wort, das Elvira Niesner, seit 2001 Geschäftsführerin von FIM vielfach im Zusammenhang mit ihrer Arbeit gebraucht. Nicht aus Überhöhung, sondern Realitätssinn. In dem zuletzt vorgelegten Bericht fallen Begriffe wie „Diplomatie“ und „Fingerspitzengefühl“ – nicht mit Blick auf die Delikte, da gibt es kein Vertun, sondern auf die Frauen. Monika Astrid Kittler, ehrenamtliche Vorstandsvorsitzende von FIM, erläutert „kultursensibel und wertfrei“ werde beraten. Sie sagt, etwa mit Blick auf Beschneidungen, „es ist schrecklich, was den Frauen widerfahren ist“ und doch: „Wertfrei“ bedeutet, Raum zu schaffen, dass die Frauen ins Erzählen kommen, dass sie herausfinden und formulieren, „was ihnen passiert ist“.

Blick in die Statistik

Die zuletzt von FIM vorgelegten Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2022. 8.400 Beratungskontakte gab es in dem Jahr, 1.200 beratene Personen aus 83 verschiedenen Herkunftsländern, 89 Prozent davon weiblich, zehn Prozent männlich, meist Angehörige, Partner oder Söhne und ein Prozent trans oder divers. Neben Gewalterfahrungen (42 Prozent) und Gesundheitlichem (50 Prozent) spielten Fragen des Aufenthaltsrechts und soziale Teilhabe zentrale Rollen.

27 Mitarbeitende, weitgehend Frauen, hat FIM. Umgerechnet wären dies etwa 17 Vollzeitstellen. Niesner, Soziologin und früher sozialwissenschaftlich tätig, umschreibt die Gehälter so: „Wir sind tariflich nicht aktuell und müssen immer dafür kämpfen, tarifliche Anpassungen – mit zeitlicher Verzögerung – umsetzen zu können.“ 84 Prozent des Haushalts von rund 1,3 Millionen Euro kommen aus öffentlichen Töpfen, fünf Prozent sind kirchliche Mittel, drei Prozent steuern Stiftungen bei, sieben Prozent resultieren aus Spenden, Kollekten, Bußgeldern, Teilnahmegebühren und Ähnlichem. Rund 80 Prozent der Ausgaben entfallen auf die Personalkosten, 20 Prozent sind Mietkosten, vor allem für das Büro an der Varrentrappstraße, sowie Fahrtkosten und andere Sachkosten. „Richtig viel Arbeit“ sei es, die Gelder aufzutreiben, die über die öffentliche Förderung hinausgehen, äußert Kittler, Gemeindepädagogin für Erwachsenenbildung und Seniorenarbeit in den evangelischen Kirchengemeinden im Frankfurter Gallus, der Kuhwaldsiedlung und dem Europaviertel. Die vielfältig Engagierte, unter anderem begann sie sich in den 80er Jahren in der ISD - Initiative Schwarze Deutsche und Schwarze in Deutschland zu engagieren, musikalisch begleitete sie Feministische Werkstätten auf verschiedenen Kirchentagen und Geschäftsführerin Niesner freuen sich, dass 2024 der American International Women’s Club Frankfurt seine Spendenaktion FIM gewidmet hat.

Kontakte im Büro, im Bordell, vor Gericht und an vielen anderen Orten

Aufgaben gibt es genug. Ein Beispiel ist die Beratung und Unterstützung für Frauen, die von weiblicher Genitalbeschneidung betroffen sind. Bei FIM finden sie oft erstmals einen Zugang ins Hilfesystem, und das liegt nicht nur daran, dass die FIM-Mitarbeiterinnen ihre Sprache sprechen, sondern an der Art, wie sie den Frauen begegnen: einfühlsam, vertrauensvoll und auf Augenhöhe. Eine Perspektive für manche Klientinnen kann eine Genitalrekonstruktions-Operation sein, etliche Frauen hat FIM schon zum Spezialisten Dan mon O’Dey nach Aachen begleitet. FIM konnte ihn sowie weitere ärztliche Kooperationspartner*innen gewinnen, diese OP-Methode nach Hessen zu bringen. Doch egal, wo die Operation durchgeführt wird, ob in Aachen oder Wiesbaden: „damit betroffene Frauen eine selbstbestimmte Entscheidung für diese Behandlung treffen können, müssen sie gut aufgeklärt sein, sie müssen gut betreut, unterstützt und gestärkt werden, brauchen sie eine vertraute Ansprechpartnerin an ihrer Seite“, so die FIM-Geschäftsführerin.

Schutz bei Gewalt „im Namen der Ehre“

Auch Gewalt „im Namen der Ehre“ sei ein aktuelles Thema, berichtet Niesner. Im 2RegionenNetzwerk bündeln neun Fachstellen aus ganz Hessen ihre Kompetenzen, um landesweit die Hilfestrukturen für Betroffene von Gewalt im Namen von „Ehre”, Tradition oder Glauben zu stärken und Versorgungslücken zu schließen. FIM ist einer der beiden hessischen Schwerpunktträger dazu. Beratungen für Betroffene, aber auch Workshops für Schüler*innen zur Prävention sowie die Arbeit mit männlichen Multiplikatoren gehören zu den Aufgaben von FIM. Polizistinnen und Polizisten schult der Verein zu verschiedenen Themen rund um Migration und Frauen. Seit 1999 ist der Verein zudem hessische Koordinierungsstelle für Opferschutz beim Menschenhandel.

Depandance in Marburg

Neben dem Frankfurter Büro gibt es eine kleine Dependance in Marburg. Arbeit im Büro ist nur das eine, per Mail, per Telefon, in Bordellen, vor Gericht, bei Informationsveranstaltungen in Schulen – das Team von FIM ist vielerorts anzutreffen. Die Altersspanne ist weit, vom Kind, das über einen Fall von familiärer Gewalt zu dem Verein kommt, bis hin zu Personen in höherem Alter, reicht die Spanne der Betreuten. Der Schwerpunkt aber sind Frauen, inmitten ihres Lebens. FIM unterstützt sie auf dem Weg in ein selbstbestimmtes und sicheres Leben.

www.fim-frauenrecht.de

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