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Familienzusammenführung

Die Diakonie und die evangelischen Kirchen in Hessen haben sich deutlich für das Recht auf Familien- zusammenführung ausgesprochen. Der Schutz der Familie ist ein Grundrecht und gilt auch für Geflüchtete - so der gemeinsame Appell.

Informationen und Meldungen rund um das Thema Familiennachzusammenführung finden Sie auf dieser Seite.

  • Erfahren Sie mehr darüber, dass die Debatte über den Familiennachzug bisher mit viel zu hohen Zahlen geführt wurde, wie Ergebnisse einer Studie des IAB zeigen.
  • Lesen Sie mehr über die Standpunkte von Diakonie und den evangelischen Kirchen zu diesem Thema.
  • Informieren Sie sich über den Spendenaufruf der Diakonie Hessen: „Familien gehören zusammen".
  • Machen Sie mit bei der Aktion „Familien gehören zusammen!“, damit allen Schutzberechtigten erlaubt wird, ihre Angehörigen nachzuholen.

 

 

Warum sich die Evangelischen Kirchen und die Diakonie in Hessen für den Familiennachzug von Geflüchteten einsetzen

Die Frage des Familiennachzugs steht für die Evangelischen Kirchen und die Diakonie zwischen Grund- und Menschenrechten einerseits und gesellschaftlichen sowie politischen Herausforderungen andererseits.

Vor allem aus drei Gründen ist ihnen der Einsatz für Familiennachzug ein wichtiges Anliegen:

1. Bedeutung von Familie für Kirche und Diakonie
Beide setzen sich mit dem Thema Familie auf vielfältige Weise auseinander und stützen Familien durch ganz unterschiedliche Angebote. Die Orientierungshilfe der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) aus 2013 trägt nicht umsonst den Titel "Zwischen Autonomie und Angewiesenheit: Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken". Darin heißt es u.a.:
"Die Schöpfungsgeschichte beschreibt es mit dem schlichten Satz: ‚Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei.‘ Nicht nur Kinder sind auf ihre Eltern und kranke und pflegebedürftige Familienmitglieder auf Hilfe angewiesen, auch Liebende sind in gleichberechtigter Weise aufeinander angewiesen und gerade so miteinander verbunden. Dabei können sich die wechselseitigen Abhängigkeiten im Laufe des Lebens durchaus ändern. Dass solche Angewiesenheit und wechselseitige Hilfe emotionale Bindung erzeugt und die Erfahrung von Geborgenheit und Heimat in sich birgt, ist eines der Geheimnisse von Familienleben und gesellschaftlichem Zusammenhalt".
https://www.ekd.de/22584.htm

Im Juli 2017 hat die Evangelische Arbeitsgemeinschaft Familie (eaf-Netzwerk) in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) die Broschüre "Familie in der Vielfalt" veröffentlicht. Hier wird der Kirchenpräsident der EKHN, Dr. Dr. Volker Jung, mit dem Satz zitiert:
"Eine Gesellschaft ist darauf angewiesen, dass Menschen verbindlich und dauerhaft füreinander da sind und füreinander sorgen." (S. 6)
http://unsere.ekhn.de/fileadmin/content/ekhn.de/download/leben_familie/familien_broschuere17_q_ekhn_eaf_etzwerk_familie.pdf

 

2. Schutz von Familien als Grund- und Menschenrecht
In Art. 6 Abs. 1 unserer Verfassung heißt es:
"Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutz des Staates".
http://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_6.html
Dieser besondere Schutz gilt nicht nur für deutsche Staatsbürger sondern für alle Menschen  in unserem Land. Folglich ist der Familiennachzug auch grundrechtlich geboten.
Ebenso stärkt die Europäische Menschenrechtskonvention in Art. 8 den Schutz von Ehe und Familie. So heißt es in Abs. 1:
„Jede Person hat das Recht auf Achtung ihres Privat- und Familienlebens….“
https://www.menschenrechtskonvention.eu/konvention-zum-schutz-der-menschenrechte-und-grundfreiheiten-9236/

Ebenso können die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte Art. 16 und der UN Zivilpakt Art. 23 als Menschenrechtsschutz von Ehe und Familie genannt werden.
https://www.menschenrechtserklaerung.de/ehe-und-familie-3633/

Darüber hinaus kritisiert der 2. Menschenrechtsbericht des Deutschen Institut für Menschen-rechte, der am 06. Dez. 2018 veröffentlicht wurde, die 2-jährige Aussetzung des Familiennachzugs zu subsidiär geschützten Flüchtlingen:
„Auch auf europäischer Ebene wurde die Aussetzung des Familiennachzugs aus menschenrechtlicher Perspektive kritisiert: Der Menschenrechtskommissar des Europarates hob die menschenrechtliche Relevanz und dringlichen Handlungsbedarf her-vor, die mit den Einschränkungen beim Familiennachzug verbunden sind. Seine Untersuchung untermauert, dass die Einschränkungen in verschiedenen Europäischen Staaten, darunter auch Deutschland, menschenrechtswidrig sind und beendet werden müssen.“ (S. 35)
http://www.institut-fuer-menschenrechte.de/menschenrechtsbericht/menschenrechtsbericht-2017/


3. Familiennachzug fördert Integration
Neben vielen anderen Untersuchungen bestätigt auch die im November 2017 erschienene Studie des Sachverständigenrates Deutscher Stiftungen für Integration und Migration und der Robert-Bosch-Stiftung "Wie gelingt Integration" die Notwendigkeit des zügigen Familiennachzugs. Darin heißt es:
"Zu klären ist in diesem Zusammenhang aber auch, was mit Familienangehörigen geschieht. Es kann die Integration beschleunigen, wenn zumindest die Kernfamilie zusammenlebt; dadurch werden z. B. persönliche Ressourcen frei, die auf Spracherwerb oder Arbeitssuche verwendet oder in soziale Kontakte investiert werden können. Anerkannte Flüchtlinge haben rechtliche Möglichkeiten, ihre Familien nachzuholen. Diese Möglichkeiten sollten nicht dadurch ausgebremst werden, dass der Erhalt eines Visums lange Zeit in Anspruch nimmt. Das betrifft die Wege zu deutschen Konsulaten im Herkunfts- oder einem Nachbarland ebenso wie Wartezeiten für Termine.
Weiterhin ist für subsidiär Schutzberechtigte derzeit das Recht auf Familiennachzug ausgesetzt. Dies betrifft gegenwärtig vor allem die große Gruppe syrischer Flüchtlinge, die eine gute Bleibeperspektive hat. Deshalb ist es unbedingt zu begrüßen, dass die Aussetzung befristet ist. Eine Verlängerung, wie sie derzeit (Stand: August 2017) wieder diskutiert wird, ist nicht ratsam, denn sie könnte sich auf die Integration dieser großen Gruppe von Flüchtlingen negativ auswirken (vgl. auch SVR 2017d)". (S. 93)
https://www.svr-migration.de/publikationen/wie_gelingt_integration/


Was passiert, wenn Familiennachzug verhindert wird, erleben Mitarbeitende in Diakonie und Kirche täglich in ihrer Beratungspraxis. Zwei Beispiele:
- Berichtet wird, dass syrische Familienväter den Integrationskurs nicht mehr besuchen, weil sie nachts arbeiten - ausgebeutet und für wenig Geld - um die Familienangehörigen, die im Libanon festsitzen, zu unterstützen
- Diakonische Partner in Thessaloniki/Griechenland berichten von einem jungen Syrer, der es nicht mehr aushielt, dass seine Familie nicht nachziehen konnte. Obwohl er in Deutschland subsidiären Schutz erhalten hat, ist er nach Aleppo zurückgekehrt, hat dort seine Familie in den Ruinen gefunden und sich dann mit ihnen gemeinsam erneut auf die Reise über das Meer begeben. Jetzt hängt er in Griechenland fest und versucht (vermutlich vergebens) wieder nach Deutschland zu komme
http://menschen-wie-wir.de/startseite/einzelansicht/news/deutsch-fuer-gefluechtete-in-griechenland.html


Familienleben kann scheitern – auch das von Flüchtlingsfamilien
Die eingangs zitierten kirchlichen Positionen wissen um Konflikte und Schwierigkeiten in Familien:
"Dazu gehört zunächst, sich einzugestehen, dass Familie nicht immer ein idyllischer Hort des Friedens ist, sondern eben auch ein sehr konfliktreicher und auch ein Ort entsetzlichen Leidens sein kann." ("Familie in der Vielfalt“, S. 7)

Familienbindungen und -beziehungen können scheitern und sie tun es oft - das kennen alle. Auch der Nachzug zu Flüchtlingen verspricht nicht in jedem Fall Harmonie und Glück. Hinzu kommen Probleme, die mit der langen Trennung und unterschiedlichen Traditionen zu tun haben. Wer lange getrennt war und sich in sehr unterschiedlichen Lebenslagen zurechtfinden musste, hat sich unterschiedlich weiter entwickelt. Beispiele gibt es dazu auch in der eigenen deutschen Geschichte. Die glückliche Rückkehr der Männer aus Krieg und Gefangenschaft hat in vielen Ehen zu Friktionen geführt und Frauen häufig wieder auf Plätze zurückgestellt, die sie schon lange verlassen hatten. Viele hätten sich gerne aus diesen unglücklich gewordenen Beziehungen gelöst - aber das war in den 40er und 50er Jahren des letzten Jahrhunderts oft (gesellschaftlich und finanziell) nicht möglich.


Die Evangelischen Kirchen und die Diakonie setzen sich dafür ein, dass

  • der Familiennachzug so zügig wie möglich erfolgt, um lange Trennungszeiten zu verhindern.
  • die Aussetzung des Familiennachzugs für subsidiär Geschützte beendet wird.
  • der Familiennachzug Geflüchteter, die in anderen europäischen Ländern im Rahmen der Dublin-Verordnung auf Familienzusammenführung warten, innerhalb der gesetzlichen Frist von sechs Monaten umgesetzt wird.
  • der Nachzug zu minderjährigen Kindern, die einen Schutzstatus erhalten haben, sowohl den Eltern als auch den minderjährigen Geschwistern ermöglicht wird.
  • Familien in der Phase der "Wiedervereinigung" gut unterstützt und Frauen und Kinder gestärkt werden. Niedrigschwellige Zugänge müssen entwickelt werden, um das Ankommen in der Ungleichzeitigkeit (unterschiedliche Traditionen und Lebensvorstellungen) zu begleiten und für die offene Gesellschaft unter hier Lebenden wie Nachziehenden zu werben.

 

Hildegund Niebch
Abteilung Flucht, Interkulturelle Arbeit, Migration (FIAM) der Diakonie Hessen, Dezember 2017

Meldungen

Portrait

01.02.2018 pwb

EKD-Präses Rekowski besorgt über geplante Änderung

Der Bundestag hat über eine weitere Aussetzung des Familiennachzugs abgestimmt. Flüchtlinge mit eingeschränktem Schutzstatus dürfen bis Ende Juli keine Familienangehörigen nach Deutschland holen. Der EKD-Migrationsexperte Manfred Rekowski kritisiert die von Union und SPD geplante Deckelung des Familiennachzugs auf 1000 Personen pro Monat. Auch EKHN und Diakonie Hessen fordern eine human geregelte Familienzusammenführung.

01.02.2018 bj

Kritik an Kompromiss zum Familiennachzug

Große Enttäuschung über den Kompromiss von CDU/CSU und SPD zum Familiennachzug von Flüchtlingen. Kirchen und Diakonie fordern, die Aussetzung des Familiennachzugs zu subsidiär Schutzberechtigten sofort zu beenden.

04.12.2017 bj

Familien gehören zusammen! Initiative von Diakonie und EKHN zum Advent

Das Thema Familiennachzug für Geflüchtete beherrscht die politische Diskussion der Koalitionsverhandlungen in Berlin. Mit einer gemeinsamen Initiative machen die Diakonie Hessen und die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau zum diesjährigen Advent auf bildhafte Weise dazu ihren Standpunkt klar: „Familien gehören zusammen!“

01.12.2017 bj

Musikalische Andacht zur Familienzusammenführung

Familienzusammenführung als Thema einer musikalischen Andacht oder Christvesper? Pfarrerin Sabine Müller-Langsdorf, Referentin für Friedensarbeit im Zentrum Oekumene der EKHN und EKKW, zeigt wie das gehen kann. Der Andachtsentwurf integriert auch die Postkartenaktion der Diakonie Hessen und der EKHN zum Familiennachzug.
Mutter mit zwei Kindern wollen eine Straße überqueren.

01.12.2017 vr

Synode der EKHN bekräftigt Haltung zu Familiennachzug

Die Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) hat die Forderung nach einem Familiennachzug auch für Flüchtlinge mit eingeschränktem Schutz bekräftigt. Bereits im Frühjahr hatte die Synode die gegenwärtige Asylpraxis in Deutschland scharf kritisiert und von den politisch Verantwortlichen ein Umdenken gefordert.

01.12.2017 bj

Landessynode setzt sich für Abschiebestopp und Familiennachzug ein

Die Landessynode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck hat am 29. November 2017 mit einer Entschließung an die Bundesregierung und die Landesregierungen in Hessen und Thüringen appelliert, den bis März 2018 ausgesetzten Familiennachzug für subsidiär Geschützte ab April 2018 wieder zu ermöglichen.

01.11.2017 bj

Familiennachzug geringer als bisher angenommen

Die Debatte über den Familiennachzug wurde bisher mit viel zu hohen Zahlen geführt. Das zeigen die Ergebnisse einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg. So können die in Deutschland lebenden Flüchtlinge deutlich weniger Familienmitglieder nachholen als bisher angenommen.

12.10.2017 bbiew

Diakonie fördert Familienzusammenführung

Die Diakonie Hessen hat einen Spendenaufruf gestartet. Das Motto: „Familien gehören zusammen". Dabei geht es um die Zusammenführung von auseinander gerissenen Flüchtlingsfamilien.

10.10.2017 bbiew

Resolution von Flüchtlingsinitiativen zum Familiennachzug

Ehrenamtliche aus verschiedenen Flüchtlingsinitiativen im Bereich der beiden Landeskirchen Hessen und Nassau sowie Kurhessen-Waldeck haben sich vor Ort über die Situation der Flüchtlinge in Griechenland und die Arbeit der griechischen Flüchtlingsinitiativen informiert. Zum Abschluss der Begegnungsreise verabschiedeten die Teilnehmer/innen eine Resolution an Kirche und Diakonie.

20.09.2017 bj

Familien gehören zusammen!

Zu der einstweiligen Anordnung des Verwaltungsgerichts Wiesbaden, bis spätestens 30. September eine syrischen Familie aus Griechenland zu ihrem Sohn nach Deutschland zu überstellen, sagt Maria Loheide, Vorstand Sozialpolitik der Diakonie Deutschland: Wir freuen uns über die Feststellung des Verwaltungsgerichts Wiesbaden, dass die Wartezeit für die Zusammenführung von Familien innerhalb der EU sechs Monate nicht überschreiten darf.

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Informationsportal zum Familiennachzug

Der Informationsverbund Asyl & Migration hat eine Informationsplattform zum Familiennachzug eingerichtet. Dort finden sich zahlreiche Informationen, Merkblätter und Links zum Thema.

Zum Infoportal Familiennachzug

 

Entwurf einer musikalischen Andacht zur Familienzusammenführung

Spendenaufruf

Weil die Sorge um Familienmitglieder in Kriegsgebieten die Integration erschwert und weil Familien zusammen gehören, setzt sich die Diakonie Hessen dafür ein, dass Familienzusammenführung zu allen Schutzberechtigten zügig ermöglicht wird.
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Diakonie Hessen
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