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Flüchtlingsprojekte EKKW

Kirchengemeinden initiieren 160 Projekte zur Flüchtlingsarbeit

medio.tv/ZgollIntegratives Kochprojekt Diemelstadt-Rhoden

Kassel/Hofgeismar (medio). Insgesamt 160 Projekte zur Flüchtlingsarbeit sind seit Ende 2015 in Kirchengemeinden der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck entstanden. Auf einem Markt der Möglichkeiten stellten sich am Samstag, den 25.3.2017 vierzehn Projekte aus der Landeskirche vor und die Besucher hatten die Gelegenheit, mit den Machern ins Gespräch zu kommen, teilte Oberlandeskirchenrätin Dr. Ruth Gütter, Dezernentin für Diakonie und Ökumene, mit.

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Zu sehen waren Präsentationen von Begegnungscafes, Chorprojekten, Stadtführungen für Flüchtlinge, Fahrradwerkstätten, Gartenprojekten und gemeinsamen Kochen. Am Abend dankte der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Prof. Dr. Martin Hein, den vielen Ehrenamtlichen in den Gemeinden, die sich für und mit Flüchtlingen engagierten, berichtet Gütter weiter.

Hein würdigte das Engagement als das für eine christlich-humane Kultur «selbstverständliche» und zugleich auch als eine politische Arbeit, mit der Christen sich zum Anwalt für die Rechte von Flüchtlingen machten. Für diese politische Lobbyarbeit, die als letztes Mittel auch das Kirchenasyl beinhalte, sagte er die weitere Unterstützung durch die Landeskirche zu. Er sei von der vielfältigen phantasievollen und hochengagierten Flüchtlingsarbeit in den Gemeinden sehr beeindruckt. «Als Mensch berührt es mich tief, als Bischof macht es mich stolz». Zum Abschluss spielte die interkulturell und multireligiös besetzte Musikgruppe «Palaver Rhababa» aus Kassel-Wesertor.

Der Markt der Möglichkeiten war Teil einer 3-tägigen Veranstaltung der Evangelischen Akademie Hofgeismar mit dem Thema «Katalysator oder Bremse? - Religion und Integration in der Migrationsgesellschaft», bei der es um die Rolle der Religion bei der Integration ging. Referenten aus dem Judentum, dem Islam, der rum-orthodoxen sowie der evangelischen Kirche schilderten ihre Erfahrungen bei der Integration von Glaubensgeschwistern in ihren Glaubensgemeinschaften. Dabei wurde deutlich, dass die Integrationsprobleme vielfältige Ursachen haben: sehr oft seien andere kulturelle Prägungen, mangelnde soziale Teilhabe, verschiedene Bildungsgrade viel schwerwiegendere Integrationshemmnisse als z.B. unterschiedliche Glaubenstraditionen. Der Soziologe David Ohlendorf aus Hannover machte außerdem deutlich, dass viel wichtiger für eine gelungene Integration bessere Chancen für gesellschaftliche Teilhabe insbesondere Zugang zu Bildung und Arbeitsmarkt seien.

Die Tagung endete am Sonntag (26.3.) mit einer bewegenden multireligiösen Feier, die von Vertretern des Judentums, des Islam und des Christentums vorbereitet und gestaltet wurde. Musikalisch eindrücklich bereichert wurde die Feier von einer Musikgruppe, in der der Musiker Olav Pyras mit einer Gruppe jugendlicher Flüchtlinge aus dem Beiserhaus musizierte.

 

Stichwort: Förderung des Engagements in der Flüchtlingshilfe

Die Evangelische Kirche von Kurhessen Waldeck hatte im Jahr 2015 ein Programm zur Förderung von ehrenamtlichem Engagement in der Flüchtlingshilfe aufgelegt und auf diese Weise unbürokratisch Hilfen für die Gemeinden zur Verfügung gestellt. Gefördert wurden 160 verschiedene Projekte von Willkommens- und Begegnungstreffen, regelmäßige Sprachkursangebote, Stadterkundungen und Ausflüge, gemeinsame Kultur vor Ort, Aus- und Fortbildungen mit dem Ziel der Integrationsförderung und einige Stellen zur Koordinierung des überwältigenden ehrenamtlichen Engagements.