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„Der einzelne Mensch zählt“

Kirchenasyl für jungen Eritreer

bbiewKirchenasyl_LorschAsyl in der evangelischen Kirche Lorsch für Efrem, der nicht erkannt und dessen Nachnamen aus Schutzgründen nicht genannt werden soll, mit Pfarrer Renatus Keller und Margot Müller von der Ökumenischen Flüchtlingshilfe

Die evangelische Kirchengemeinde Lorsch hat einem Flüchtling aus Eritrea Kirchenasyl gewährt. Sie will damit verhindern, dass der 19-Jährige abgeschoben wird.

Efrem sollte nach eigenen Angaben mit 18 Jahren zwangsweise als Soldat rekrutiert werden. Aus Furcht vor dem Militärdienst, der in Eritrea praktisch unbefristet sei und ein rechtloses Leben unter menschenunwürdigen Bedingungen bedeute, sei er geflohen. Sein Fluchtweg führte ihn über Äthiopien und den Sudan nach Libyen, wo er mehrere Monate inhaftiert wurde. Schließlich konnte er mit dem Boot nach Italien übersetzen und von dort nach Deutschland fahren.

Unzureichende Schutzstandards in Italien

Efrem ist orthodoxer Christ. Am 24. Juni dieses Jahres erhielt er den Bescheid, dass sein Asylantrag abgelehnt sei und er das Land binnen sechs Monaten verlassen müsse. Grund ist die Dublin-Regelung, wonach Flüchtlinge in dem EU-Land Asyl beantragen müssen, das sie auf ihrer Flucht zuerst betreten haben. In Efrems Fall ist das Italien. „Die Verhältnisse dort sind mit denen in Deutschland nicht vergleichbar“, sagt Margot Müller von der Ökumenischen Flüchtlingshilfe Lorsch. „Efrem spricht kein Wort italienisch, er würde weder Sprachunterricht noch finanzielle Unterstützung bekommen und müsste in Italien auf der Straße vegetieren“.

Der Kirchenvorstand, der den Beschluss zum Kirchenasyl einstimmig fasste, setzt sich dafür ein, dass Efrem in Deutschland eine Chance bekommt. „In der Gemeinde ist das Kirchenasyl positiv aufgenommen worden. Efrem ist ein hilfsbereiter Mensch, der sich aktiv ins Gemeindeleben einbringt, und zudem ein treuer Gottesdienstbesucher“, sagt Pfarrer Renatus Keller. Auch Katie Hauptmann von der Ökumenischen Flüchtlingshilfe betont, dass Efrem ein engagierter Schüler sei, der seit einem Jahr Deutsch-Unterricht bekomme und lernen wolle. „Er ist auf einem guten Weg, sich zu integrieren.“ Pfarrer Keller ergänzt: „Für uns zählt der einzelne Mensch. Das ist eine politische Aussage.“

Jesus war ein Flüchtlingskind

Der Dekan der Evangelischen Dekanats Bergstraße, Arno Kreh, wurde vorab über das Kirchenasyl informiert. Er unterstützt das Engagement der Lorscher Gemeinde. Die Kirchengemeinde hat auch die Außenstelle des Bundesamtes für Migration in Gießen, das Kreisausländeramt und das Regierungspräsidium Darmstadt in Kenntnis gesetzt und hofft, das Kirchenasyl noch in diesem Jahr beenden zu können. Denn sobald sechs Monate nach Ablehnung des Asylantrags verstreichen, ohne dass Efrem abgeschoben wird, werde er voraussichtlich eine Aufenthaltsduldung in Deutschland erhalten. Für den 19-Jährigen wird die bange Zeit bis Weihnachten dauern. An diesem Tag feiern die Christen in aller Welt den Geburtstag von Jesus, der ebenfalls ein Flüchtlingskind war.

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