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Besuch im Krisengebiet im Irak

Panik-Attacken und Selbstmord-Gedanken sind Alltag von Flüchtlingen

Detlev KnocheFlüchtlingslagerWelche Perspektive haben diese Jungen? Ein Flüchtlingslager in Khanke für Jesiden in Kurdistan, im Norden des Irak

Der Leiter des Zentrums Ökumene in Frankfurt, Detlev Knoche, hat Flüchtlingseinrichtungen im Irak besucht und sich bestürzt über die Situation in der Region gezeigt: "Die Menschen in den Lagern brauchen eigentlich alles: Nahrung, Obdach, Bildung, Medizin und Psychotherapie."

EKHNDetlev KnocheDetlev Knoche

Darmstadt / Frankfurt, 4. November 2016. Nach dem Besuch von Einrichtungen für Flüchtlinge im Nordirak hat der Leiter des Zentrums Ökumene in Frankfurt, Detlev Knoche, sich bestürzt über die Situation in der Region gezeigt und dringend weitere Hilfe angemahnt. „Trotz der hohen Hilfsbereitschaft der kurdischen Bevölkerung brauchen die Menschen in den Flüchtlingslagern im Nordirak eigentlich alles: Nahrung, Obdach, Bildung, Medizin und Psychotherapie“, erklärte der Leiter der gemeinsamen evangelischen Einrichtung der hessen-nassauischen und der kurhessischen Kirche am Freitag (4. November) in Frankfurt.

 

Ausweglose Situation für viele

„Viele sind traumatisiert, weil sie ihre Familienmitglieder durch Bombenangriffe, gewaltsame Konflikte oder Folter im Gefängnis verloren haben“, erklärte Knoche weiter. Alle litten unter dem Verlust ihrer Heimat und ihrer Arbeit. Hinzu käme die Angst um Verwandte, die sie zurück lassen mussten. „Es ist eine ausweglose Situation für viele“, so Knoche. Deshalb seien Depressionen, Schlaflosigkeit, Panik-Attacken oder Aggressionen weit verbreitet.

 

Millionen Flüchtlinge im Nordirak

Nach Knoches Angaben haben seit 2011 vier Millionen Syrer ihre Heimat verloren. Davon seien über 250.000 in den Norden des Irak geflohen, darunter über 40 Prozent Kinder. Die meisten von ihnen seien Kurden, vereinzelt aber auch Christen. Zu den syrischen Hilfesuchenden kämen nochmals mehr als drei Millionen Flüchtlinge, die sich innerhalb des Irak vor dem Terror des so genannten „Islamischen Staates“ (IS) in Sicherheit bringen wollten, so Knoche. Über die Hälfte von ihnen habe Zuflucht im Kurdengebiet des nördlichen Irak gesucht. Sie seien oft Zeugen oder selbst Opfer furchtbarer Gewalt des IS geworden wie Hinrichtungen, Verstümmelungen, Vergewaltigungen und Entführungen.

 

Hilfe aus Hessen-Nassau

Seit 2014 unterstützt die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) nach Angaben Knoches Hilfsprogramme im Nordirak. Partner ist dabei die Jiyan-Stiftung für Menschenrechte, die unter anderem in den Flüchtlingslagern in Kirkuk, Erbil, Khanke und Dohuk aktiv ist. Dort bietet sie beispielsweise Therapieangebote für Frauen an, die verschleppt oder vergewaltigt wurden. Dabei werde vor allem versucht, die Würde und das Selbstvertrauen zurückzugewinnen. Knoche habe Frauen sprechen können, die ihm erzählten, dass durch die Behandlung Alpträume zurückgegangen und Selbstmordgedanken verschwunden seien.

Mehr Informationen: www.zentrum-oekumene.de