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Kirchenpräsident in Flüchtlingscamp Idomeni

„Europa darf sich nicht mit dem Zustand abfinden“

Marcel Kuß/ekir.de

Die Lage im griechischen Flüchtlingslager Idomeni bleibt verheerend. Ein Bild vor Ort hat sich jetzt Kirchenpräsident Volker Jung gemacht. Er fordert: Nur eine gesamteuropäische Strategie bringt auf Dauer Hilfe in der Flüchtlingsfrage.

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Marcel Kuß/ekir.deKirchenpräsident Jung im Flüchtlingscamp IdomeniKirchenpräsident Jung im Flüchtlingscamp Idomeni

Idomeni/Darmstadt/Düsseldorf, 7. April 2016. Angesichts der katastrophalen Lage der Menschen im Flüchtlingslager Idomeni an der griechisch-mazedonischen Grenze haben hochrangige evangelische Kirchenvertreter eine europäische Lösung der Probleme angemahnt. Der rheinische Präses Manfred Rekowski, der hessen-nassauische Kirchenpräsident Dr. Volker Jung und der reformierte Moderator Martin Engels zeigten sich bei ihrem Besuch in Idomeni am späten Mittwochnachmittag (6. April 2016) von den Zuständen im Lager erschüttert.

Europa muss gemeinsam hinschauen

„Ich hoffe sehr, dass Europa sich an diesen Zustand hier nicht gewöhnt, und dass wir uns nicht damit abfinden“, sagte Manfred Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, beim Besuch des provisorischen Camps, in dem derzeit rund 13.000 Menschen unter unwürdigen Bedingungen ausharren. Gemeinsame Lösungen forderte auch Dr. Volker Jung, Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau: „Die Situation wird von Griechenland alleine nicht zu lösen sein. Deshalb wird es darum gehen, dass Europa noch einmal gemeinsam hier hinschaut und auch gemeinsam Lösungen für ein vernünftiges und ordentliches Aufnahme- und Registrierungsverfahren findet.“ Dabei müsse es vor allem um diejenigen gehen, die einen Asylantrag stellen wollten. „Im Moment ist es so, dass ihnen dieses Menschenrecht vorenthalten wird.“

Ehrenamtliche arbeiten über Kräfte hinaus

„Was ich hier erlebe, macht mich sprachlos“, so Martin Engels, Moderator des Reformierten Bundes, im Flüchtlingslager Idomeni: „40 Prozent der hier lebenden Menschen sind unter 14 Jahren alt.“ Das Lager sei weit davon entfernt, humanitären Standards zu entsprechen. „Zugleich erlebe ich Mitarbeitende des UNHCR, ich erlebe ehrenamtliche Mitarbeitende der Griechischen Evangelischen Kirche, die über ihre Kräfte hinaus hier tätig sind. Der Umgang unserer Kirchen mit Flüchtlingen ist keine rein politische Frage, sondern, die Frage, wie wir mit Menschen, die in bitterster Not sind, umgehen, ist eine Frage des christlichen Bekenntnisses.“

Erschrecken über die katastrophale Lebenssituation im Camp

„Wir sind mitten in Europa, aber wenn man sich die Lebenssituation der Menschen hier anschaut, dann erschüttert und bewegt mich das sehr, und es erschreckt mich auch“, kommentierte Präses Rekowski seine Eindrücke. Normalerweise solle es in Flüchtlingslagern eine Toilette für 20 Menschen geben. In der Zeltstadt in Idomeni müssen sich 150 Menschen eine Toilette teilen. Lange Schlangen an der Essensausgabe sind Alltag für die Menschen, deren Zukunft an der Grenze zwischen Griechenland und Mazedonien derzeit völlig ungewiss ist.

Solidaritätsbesuch bei evangelischen Gemeinden Griechenlands

Am Donnerstag treffen Rekowski, Jung und Engels im Rahmen ihres Solidaritätsbesuchs in Griechenland Vertreterinnen und Vertreter von Kirchen und kirchlichen Organisationen, die Flüchtlingshilfe und -arbeit leisten. Außerdem ist ein Treffen mit der deutschen Gemeinde in Thessaloniki vorgesehen. Begleitet werden der rheinische Präses, der hessen-nassauische Kirchenpräsident und der Moderator des Reformierten Bundes von Doris Peschke (Generalsekretärin der Kirchlichen Kommission für Migranten in Europa, CCME) und dem Interkulturellen Beauftragten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau Pfarrer Andreas Lipsch.

Zum Video: Kirchenpräsident Jung beschreibt seine Eindrücke im Flüchtlingslager Idomeni